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20 Jahre ökumenische Notfallseelsorge im Rems-Murr-Kreis
09.11.2019

In den 1980er-/90er-Jahren hat diese Situation dazu geführt, dass sich Christen – evangelische und katholische – mit einzelnen Feuerwehren und Rettungsorganisationen zusammengetan haben und anverschiedenen Orten versuchten, diese Lücke zu füllen: Es sollte jemand verfügbar sein, der in der ersten Zeit nach dem Abrücken des Rettungsteams bei den Hinterbliebenen bleiben konnte, bevor sich andere (Verwandte, Freunde, Hausärzte…) um sie kümmern konnten. Im Laufe der Zeit haben sich viele dieser Initiativen zur ökumenisch getragenen Notfallseelsorge zusammengeschlossen.

Wer schon etwas Lebenserfahrung hat, wird sich an das ICE-Zugunglück 1998 in Eschede erinnern. Dieses brachte die Notfallseelsorge erstmals und massiv in die öffentliche Wahrnehmung und führte auch im Rems-Murr-Kreis im Folgejahr zur Gründung der Notfallseelsorge. Die evangelischen und katholischen Dekanate wollten sicherstellen, dass man in unserem Landkreis auf so ein Ereignis würde reagieren können. Im Rems-Murr-Kreis arbeiten die kirchlich getragene Notfallseelsorge und der Notfallnachsorgedienst (NND) des DRK gemeinsam am selben Auftrag, etwa hundert Mal im Jahr, zu allen Tages- und Nachtzeiten.

 „Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan,“ nennt Jesus als Kriterium für die Beurteilung der Menschen am Ende der Zeit (Mt 25,40). Am Beispiel des barmherzigen Samariters (Lk 10,25-37) macht er deutlich, wie das aussehen kann: Hilfe für den Nächsten – mit einer sehr weit gefassten Vorstellung, wer denn mein Nächster ist! In diesem Geist sind Christen in der Notfallseelsorge einfach für ihren Nächsten in Not da – in erster Linie zum Zuhören – unabhängig von Religion, Weltanschauung oder sonstigen Kriterien. Sie machen jedenfalls für die Hinterbliebenen, für die in diesem Moment ja oft die Fundamente ihres Daseins wanken und bröckeln, deutlich, was die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus für uns bedeuten kann: Im Leiden – selbst in der schlimmsten Verzweiflung – ist dieser Gott bei uns und hält diese Situation mit uns aus. Zum Beispiel in der Person des Notfallseelsorgers. Hier kann auch die christliche Auferstehungshoffnung ihr ganzes tröstliches Potenzial entfalten!

Die evangelische Woche der Diakonie war im Sommer unter das Motto „Unerhört! Diese Alltagshelden“ gestellt und hat dabei auch die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger in den Blick der Öffentlichkeit gehoben, wo sie sonst eher nicht zu sehen sind. 

Am 29. September 2019 feierte die ökumenische Notfallseelsorge im Rems-Murr-Kreis ihr 20-jähriges Bestehen an dem Ort, an dem sie auch ins Leben gerufen worden war: In St. Antonius in Waiblingen. Es war eine Gelegenheit, Revue passieren zu lassen, was alles geleistet und erreicht wurde. Die sicherlich größte Bewährungsprobe erlebte die Notfallseelsorge beim Amoklauf in Winnenden 2009. Vieles lief gut, manches musste verbessert werden. Als Konsequenz aus diesem und anderen Ereignissen ist die Notfallseelsorge mittlerweile deutschlandweit besser vernetzt, und auch Einsatzkräfte von Rettungsdiensten, Feuerwehren, der Polizei und anderen haben nun ihre eigenen Ansprechpartner. „Psychosoziale Notfallversorgung“ (PSNV) nennt sich das Gesamtsystem etwas sperrig.

Das Jubiläum ist auch eine Gelegenheit „Danke“ zu sagen: Den Christinnen und Christen, die in besonderer Weise für ihre Mitmenschen da sind, aber auch Gott, dass er mit ihnen und durch sie da ist!

Bitte, Denken Sie in Ihrem Gebet auch an die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger. Vergelt’s Gott!

Übrigens: Notfallseelsorge ist nicht hauptamtlichen Seelsorgern vorbehalten! Falls sie sich vorstellen können, dass Ihre Charismen, Talente und Erfahrungen hier ihren Ausdruck finden können:
Wenden Sie sich gerne an Diakon Winfried Döneke (winfried.doeneke@drs.de) Tel. 0711/553418-73.

Dennis Mangold